Gott des Himmels und der Erden

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Am Sonntag „Trinitatis“ grüßt die Orgel mit einer Choralbearbeitung von Johann Gottfried Walther.

Singen Sie mit:
Hier der Liedtext und die Melodie – eingespielt von Martina Jasper.

Gott des Himmels und der Erden, 
Vater, Sohn und Heilger Geist, 
der es Tag und Nacht lässt werden,
Sonn und Mond uns scheinen heißt, 
dessen starke Hand die Welt, 
und was drinnen ist erhält. 

Hilf, dass ich mit diesem Morgen 
geistlich auferstehen mag 
und für meine Seele sorgen, 
dass, wenn nun dein großer Tag 
uns erscheint und dein Gericht, 
ich davor erschrecke nicht.

Geh aus, mein Herz

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Das Herz ist schon ein seltsames Organ. Es pocht, es schlägt, es hüpft, es kann zerbrechen. Der Lieddichter Paul Gerhardt traut dem Herzen noch mehr zu: Es kann Spazierengehen! Damit wir aber nicht ohne unseren Lebensmotor allein zurückbleiben, lädt er den Rest von Leib und Seele gleich zum Ausflug mit ein. Unterwegs treffen wir Lerche, Taube und Nachtigall. Schnuppern an Tulpen und Narzissen und hören Bienen summen und Schafe mähen. Ein Gute-Laune-Lied für den Pfingstausflug.

Der Chor Stimmungsvoll darf leider zur Zeit nicht gemeinsam proben. Aber sie haben dennoch das Sommerlied getrennt aufgenommen und die Stimmen wurden von Martina Jasper digital vereint.

Singen Sie mit:
Hier der Chor Stimmungsvoll mit drei der 15 Strophen:

Videomaterial: pexels.com / zur freien Verwendung
Geh aus, mein Herz und suche Freud
in dieser lieben Sommerszeit
an deines Gottes Gaben.
Schau an der schönen Gärten Zier
und siehe wie sie mir und dir
sich ausgeschmücket haben,
sich ausgeschmücket haben.
 
Die Bäume stehen voller Laub,
das Erdreich decket seinen Staub
mit einem grünen Kleide.
Narzissus und die Tulipan,
die ziehen sich viel schöner an
als Salomonis Seide,
als Salomonis Seide.
 
Ich selber kann und mag nicht ruhn,
des großen Gottes großes Tun
erweckt mir alle Sinnen;
Ich singe mit, wenn alles singt,
und lasse, was dem Höchsten klingt,
aus meinem Herzen rinnen,
aus meinem Herzen rinnen.

O komm, du Geist der Wahrheit

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 „Die beste Waffe im Kampf gegen Corona ist der gesunde Menschenverstand!“ 

Der Kabarettist blickt ernst in die Fernsehkamera. Er macht eine Pause und fährt fort:  „Wir sind verloren! Die meisten von uns sind unbewaffnet!“ 

Das Publikum johlt. Denn in dieser bissigen Pointe steckt mehr als ein Funken Wahrheit. Verschwörungstheorien wabern durch die Köpfe sorgenvoller Mitmenschen. Ihr Misstrauen gegen Politiker und Unternehmer wächst. Menschen demonstrieren, klagen an. Was tun?

In einer ähnlichen Lage sah sich 1833 der Gefängnispfarrer Philip Spitta. Er schreibt ein Lied: „O komm, du Geist der Wahrheit, und kehre bei uns ein, verbreite Licht und Klarheit, verbanne Trug und Schein.“ 

Spitta ist sich sicher: Wahrheit ist mehr als die eigene Meinung. Sie kommt von Austausch. Holt dich aus deiner Komfortzone. Wahrheit „besitzt“ man nicht. Um sie muss jeden Tag neu gerungen werden.

Als frommer Mensch vertraut Spitta auf den göttlichen „Geist der Wahrheit.“ Und er findet auch hier seinen Prüfstein: Das Evangelium, die frohe Botschaft. Die unterscheidet zwischen dem, was der Liebe, der Leben nützt und dem was den Menschen schadet.

Singen Sie mit:
Hier der Liedtext und die Melodie – eingespielt von Martina Jasper.

O komm, du Geist der Wahrheit, 
und kehre bei uns ein,
verbreite Licht und Klarheit, 
verbanne Trug und Schein.
Gieß aus dein heilig Feuer, 
rühr Herz und Lippen an,
dass jeglicher getreuer 
den Herrn bekennen kann.
 
O du, den unser größter 
Regent uns zugesagt:
komm zu uns, werter Tröster, 
und mach uns unverzagt.
Gib uns in dieser schlaffen 
und glaubensarmen Zeit
die scharf geschliffnen Waffen 
der ersten Christenheit.
 
Unglaub und Torheit brüsten 
sich frecher jetzt als je;
darum musst du uns rüsten 
mit Waffen aus der Höh.
Du musst uns Kraft verleihen, 
Geduld und Glaubenstreu
und musst uns ganz befreien 
von aller Menschenscheu.
 
Es gilt ein frei Geständnis 
in dieser unsrer Zeit,
ein offenes Bekenntnis 
bei allem Widerstreit,
trotz aller Feinde Toben, 
trotz allem Heidentum
zu preisen und zu loben 
das Evangelium.

Morgenglanz der Ewigkeit

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Elvis lebt! Hat jemand mit Edding auf die Toilettenwand gekritzelt. Darum ein rotes Herz gemalt. Daneben steht „Hannah liebt Paul auf ewig“ und „Ich war hier“. Nun wissen selbst eingefleischte Fans, dass Elvis dank ihrer Treue „weiterlebt“. Solange dich jemand an dich erinnert, lebst du noch.

Eine Theorie, die auch vielen religiösen Menschen einleuchtet. Seit 2000 Jahren erinnern wir uns an einen Zimmermannsohn und Wanderprediger. Jesus lebt! Aber irgendwie nicht so richtig. Jedenfalls ist er nicht so da, wie deine Mutter, dein Freund, dein Nachbar. Aber es ist keine reine Gedenkkultur, was Christenmenschen an Himmelfahrt feiern. Sondern es ist ein Fest, das einen Spagat übt. Wie passt das zusammen, unser Leben und das „neue“ Leben, dass nicht auf der Erde, sondern im Himmel gelebt wird?

Dabei ist die Vorstellung von Himmel nicht unbedingt das Blaue, wenn wir den Kopf in den Nacken legen. Das Wort „Himmel“ ist zunächst das, was nicht irdisch ist. Wo unsere Beschränkungen von Raum und Zeit nicht gelten. Ein Ort, den wir nicht aus eigener Kraft erreichen können. Etwas, was größerer als unser Verstand und unsere Erkenntnis ist. An diesem Feiertag versuchen wir uns an diesen Ort heranzutasten. Wie gehen in die Irre und manchmal öffnet sich ein Spalt, durch den göttliches Licht fällt. 

In der Bibel schickt der auferstandene Jesus seine Anhänger mit einer klaren Botschaft in Welt. Erzählt von Gott. Dann segnet er sie. Während er das tut, „fährt in den Himmel auf“. Der Segen aber bleibt. Ganz irdisch. Ganz handgreiflich. Segen, der im Alltag sichtbar ist. 

Jesus lebt!?! Im 17. Jahrhundert hat Christian Knorr von Rosenroth hat für diese Botschaft poetische Worte gefunden. Er spricht vom „Morgenglanz der Ewigkeit“.

Dichten Sie mit:
Hier der Liedtext und die Melodie – eingespielt von Martina Jasper.

1) Morgenglanz der Ewigkeit, / Licht vom unerschöpften Lichte,
schick uns diese Morgenzeit / deine Strahlen zu Gesichte
und vertreib durch deine Macht / unsre Nacht.
 
2) Deiner Güte Morgentau / fall auf unser matt Gewissen;
lass die dürre Lebensau / lauter süssen Trost genießen
und erquick uns, deine Schar, / immerdar.
 
3) Gib, dass deiner Liebe Glut / unsre kalten Werke töte,
und erweck uns Herz und Mut / bei entstandner Morgenröte,
dass wir eh wir gar vergehn, / recht aufstehn.

Erfreue dich, Himmel – erfreue dich, Erde.

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Sie rufen laut „Amen“, wenn Ihnen ein Gedanke besonders gut gefällt. Sie klatschen im Takt mit, wenn der Chor singt. Und wenn die Hände warm sind, dann reisst es sie von den Stühlen und sie tanzen. So mitreißend und begeistert habe ich amerikanische Glaubensschwestern und Glaubensbrüder erlebt. Getanzter Glaube, der Leib und Seele tüchtig durchschüttelt. 

Bei uns geht es da etwas bedächtiger zu. Klar, leuchten die Augen bei einem besonderen Lieblingslied. Aber, dass jemand aufspringt und los tanzt – im Gottesdienst – habe ich noch nicht erlebt. Das ist schade, finde ich.  Liegt an der Musikauswahl, mögen Sie einwenden. Stattgegeben! Aber auch im Gesangbuch verstecken sich einige Tanzmelodien. 

Das Lied „ Erfreue dich, Himmel, erfreue dich, Erde“ gehört dazu. Die Melodie ist uralt. 1697 erscheint sie im Straßburger Gesangbuch. Zar Peter I. regiert in Russland. In Leipzig wird das erste Mal eine Klassenlotterie veranstaltet. Der große Kriegszug der Osmanen wird bei der Schlacht bei Zenta gestoppt. 

Aber zwischen dem Aufstieg und Fall von Königreichen tanzen und singen die Menschen. Es ist eine Art Schreittanz mit kleinen Hüpfern und manchmal schon fast ein Walzer. Heiter und beschwingt kommt die Melodie daher. Ein Lied für die schöne Weihnachtszeit. 

Erst im Jahre 1963 textet die Theologin und Schriftstellerin Marie Luise Thurmair neue Strophen. Und aus dem Weihnachtslied wird ein Loblied auf die Schöpfung.

Viele haben zur Zeit Sorgen und kämpfen mit wirtschaftlichen Nöten. Und das ist bittere Realität. Doch das Lied ermutigt: Du bist viel mehr als ein Konsument oder ein Angestellter oder eine Unternehmerin! Du bist Teil dieser wunderbaren und komplexen Schöpfung. 

Tanzen Sie mit:
Hier der Liedtext und die Melodie – eingespielt von Martina Jasper.

Refrain: Auf Erden hier unten, im Himmel dort oben:
den gütigen Vater, den wollen wir loben. 
 
2. Ihr Sonnen und Monde, ihr funkelnden Sterne,
ihr Räume des Alls in unendlicher Ferne: Refrain
 
3. Ihr Tiefen des Meeres, Gelaich und Gewürme,
Schnee, Hagel und Regen, ihr brausenden Stürme: Refrain
 
 4. Ihr Wüsten und Weiden, Gebirg und Geklüfte,
ihr Tiefen des Feldes, ihr Vögel der Lüfte: Refrain
 
5. Ihr Männer und Frauen, ihr Kinder und Greise,
'ihr Kleinen und Großen, einfältig und weise: Refrain

Du meine Seele singe

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Ich finde gerne Wörter, die vom Aussterben bedroht sind. Nasenfahrrad zum Beispiel, oder Pannschüppe. Aber wer kennt noch die „Schwermutshöhle“?

Es stammt aus der Feder Paul Gerhardts. Ein Mann, der im 30-jährigen Krieg aufwächst.  Unter Kriegstrommeln, Brandschatzung und Pestilenz. Er war Waisenkind und Internatszögling, Student, dann Hauslehrer. Jeden Tag der Woche bepredigt von lutherischen Pastoren. Von nüchternen, sprachgewaltigen, ernsthaften Männern. Gewöhnt an Diziplin und Denkzucht von Kindesbeinen an. 

Trotzdem findet er in seinen Gedichten zu einer intimen Sprache. Gerhardt grub die Schätze der mittelalterlichen Mystiker aus. Er polierte die biblischen Bilder, bis sie funkelten. Schrieb für die kleinen Leute Andachtsgedichte. Er holte Gott in die gute Stube, in den grünen Garten, an die sonnenbeschienen Wege. Es ist ein „Ich“, dass da beständig singt, nicht das große trotzige „Wir“ der reformatorischen Glaubenslieder. Es geht um mich – und um das,  was ich glaube. 

Gerhardt kennt nur zu gut die Höhlen der Sorge, Angst und Trauer. Aber es braucht nur 7 Töne in seinem Lied „Du meine Seele singe“  und es zieht dich aus dem Abgrund.

Probieren Sie es aus:
Hier der Liedtext und die Melodie – eingespielt von Martina Jasper.

Du meine Seele, singe, / wohlauf und singe schön
dem, welchem alle Dinge / zu Dienst und Willen stehn.
Ich will den Herren droben / hier preisen auf der Erd;
ich will Ihn herzlich loben, / solang ich leben werd.

Das „Unkraut“ Hoffnung

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Er ist hartnäckig, tiefgründig und voller Überraschungen. Wer ihn in seinem Garten hat, steht vor der Wahl: Lasse ich ihn blühen oder rotte ich ihn aus – was sich allerdings als eine von vornherein verlorene Schlacht entpuppen wird? Trotz Spaten und Hacke, trotz Pflanzengift und brühendem Wasser: 

„Taraxum officinale“ – so der majestätische lateinische Name des Überlebenskünstlers – wird den Sieg davon tragen. Löwenzahn quetscht sich in Lücken zwischen Wegplatten und hält sein sonnengelbes Gesicht im schönsten Rasen in die Sonne. Lerne ihn zu lieben, lautet daher der weise Rat erfahrener Gärtnerinnen. 

Und warum auch nicht? Dieses „Unkraut“ ist durch und durch gesund. Seine bitteren Blätter sind gut für unsere Verdauung, die Blüten ergeben leckeren Sirup, die Wurzeln einen gesunden Tee. Und als Pusteblume hält er die Erinnerung an unbekümmerte Kindertage in uns wach.

Kein Wunder, dass der Löwenzahn in der christlichen Tradition verehrt wurde. Bevor die Osterglocken ihm den Rang streitig machten, war er „die“ Osterblume. Sein leuchtendes Sonnengelb stand für die unbesiegbare aufgehende Sonne Jesus Christus. Die Verwandlung der absterbenden Blütenblätter zur federigen Pusteblumenschopf erzählte anschaulich von der Auferstehung. Wie ein starker Löwe sei Christus in das Reich des Todes hinabgestiegen, beschreiben es mittelalterliche Gesänge. Die Liebe Gottes überflutet die Welt wie der fallschirmartige Pusteblumensamen. 

Seitdem blüht den Menschen die Hoffnung. Sie drängt sich in die kleinste Ritze, sie sprengt Asphalt und sprenkelt Trümmerlandschaften mit Sonnenlicht. 

Hoffnung ist keine Zierpflanze für die guten Tagen. Hoffnung ist wie ein Wildkraut, das auch ohne Dünger und Stützstäbe wuchert. In dieser Osterzeit, in der wir nicht nebeneinander singen, beten und essen werden, sind wir gezwungen andere Formen zu finden. Das ist bitter. Um so wichtiger wird es, das Gute zu entdecken und wertzuschätzen. 

Freuen wir uns an den ersten Löwenzahnblüten, die noch etwas verschämt in die Sonne blinzeln. Denn wir haben Hoffnung bitter nötig. Auch wenn Krankheiten, Krisen und Katastrophen uns die mit Gewalt aushacken wollen. Und wenn Ihre Hoffnung gerade etwas welkt, schauen Sie mal auf den Straßenrand, in den Hinterhof, auf ein Stück Brachland. Ich bin mir sicher, Sie entdecken dort einen Ostergruß.

Ein Beitrag von Pfarrerin Kerstin Hanke

Karfreitag – der stille Feiertag.

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Verwaiste Straßen, keine Konzerte, keine Disco. So haben sich viele das immer zurückgewünscht. Ein Tag, der das gewohnte Leben unterbricht. Der dir gehört! Ohne Ablenkung! Wo du dir schmerzlich klarmachst, jedes Leben ist endlich. Was tust du also mit diesem kostbaren Geschenk? Lachst du genug, liebst du genug, bist du erfolgreich? Versäumst du wichtige Dinge? Riskiert du etwas, wenn es Dir wichtig erscheint?

Karfreitag zieht eine nüchterne Bilanz. Da war einer, der sich für die Menschen begeisterte, der sich einsetzte, heilte, stritt für ein lebenswertes Leben. Und der sich dann die Frage stellen musste, ist es das wert? Gut genug, dass ich damit meinen Tod herausfordere? An seine Entscheidung erinnert der Karfreitag. 

Ein weiterer Gedenktag für ihn und für die Menschen, die verschleppt, gefoltert und ermordet wurden. Die vielen großen Heldinnen und Helden, die unschuldigen Opfer, und die Massen, die längst vergessen sind. 

Auch wenn eine Entscheidung konsequent und tapfer ist, kostet sie dich dein Leben. Was nutzt dir dann das Gedenken? Und selbst wenn etwas bei den Nachgeborenen davon weiterlebt?

Nichts.

Dieser Tag und der morgige sind eine Zumutung. Selbst die Musik verstummt. Es gibt keine Lieder mehr zu singen. Du hast deine Zeit auf Erden und danach wartet nur noch das Grab. 

Die einen halten diese Erkenntnis ihr Leben lang aus. Für sie gibt es nichts zu hoffen und zu beten. Sie feiern ihr Leben, so gut sie können. Ich verstehe das. Ich halte das für konsequent. Dein Leben? Mach das Beste draus. 

Nur woher weiss ich eigentlich, was das Beste ist? Gibt es da noch eine Steigerung. Lebe ich vielleicht nur besser? Gar nur gut?

Karfreitag ist der „Ist-Zustand“ des Lebens. Der Tod aktualisiert sich überall auf der Welt jede Sekunde. Auf den Intensivstationen, in den Flüchtlingslagern, auf einer Parkbank. 

Und wenn ich nicht Ostern dazu denken kann, dann ist und bleibt das so. Ostern ist der „Best—Zustand! Der eine, der sich hinrichten ließ, richtete sich wieder auf. Rückte das Verhältnis von Tod und Leben zurecht. Ließ das Grab und den Gestank von Mord und Todschlag hinter sich. 

Nein, sie erkennen ihn nicht, die nur den Karfreitag als „Ist-Zustand“ kennen. Seine besten Freundinnen und Freunde hielten ihn für einen Fremden, den Gärtner, einen Geist. Denn er hat seine Individualität mit dem Leichentuch abgelegt. Daher muss er sich auf ihre Person einlassen. Mit ihrem Namen: Maria! Einem vertrauten Ritual: Brotbrechen. Mit dem Körper, der ihnen vertraut war: Der durch verschlossene Türen geht. 

Fremd und vertraut zugleich. Wie ein Babyfoto, in der man mit großer Mühe das Lächeln der 80-jährigen ausmachen kann. Und es gelingt. Seitdem hoffen Menschen trotzig gegen den Karfreitag an.

Weil wir in unserem Körper leben und in unserem Bewusstsein, spüren wir eine klare Begrenzung, die wir nur schwer überschreiten können. 

Ostern ist ein Trainingsprogramm über diese Grenzen zu blicken und etwas Größeres, Helles, Heiliges zu spüren: Den „Best-Zustand“.