Du meine Seele singe

Veröffentlicht am Veröffentlicht in Der musikalische Sonntagsgruß

Ich finde gerne Wörter, die vom Aussterben bedroht sind. Nasenfahrrad zum Beispiel, oder Pannschüppe. Aber wer kennt noch die „Schwermutshöhle“?

Es stammt aus der Feder Paul Gerhardts. Ein Mann, der im 30-jährigen Krieg aufwächst.  Unter Kriegstrommeln, Brandschatzung und Pestilenz. Er war Waisenkind und Internatszögling, Student, dann Hauslehrer. Jeden Tag der Woche bepredigt von lutherischen Pastoren. Von nüchternen, sprachgewaltigen, ernsthaften Männern. Gewöhnt an Diziplin und Denkzucht von Kindesbeinen an. 

Trotzdem findet er in seinen Gedichten zu einer intimen Sprache. Gerhardt grub die Schätze der mittelalterlichen Mystiker aus. Er polierte die biblischen Bilder, bis sie funkelten. Schrieb für die kleinen Leute Andachtsgedichte. Er holte Gott in die gute Stube, in den grünen Garten, an die sonnenbeschienen Wege. Es ist ein „Ich“, dass da beständig singt, nicht das große trotzige „Wir“ der reformatorischen Glaubenslieder. Es geht um mich – und um das,  was ich glaube. 

Gerhardt kennt nur zu gut die Höhlen der Sorge, Angst und Trauer. Aber es braucht nur 7 Töne in seinem Lied „Du meine Seele singe“  und es zieht dich aus dem Abgrund.

Probieren Sie es aus:
Hier der Liedtext und die Melodie – eingespielt von Martina Jasper.

Du meine Seele, singe, / wohlauf und singe schön
dem, welchem alle Dinge / zu Dienst und Willen stehn.
Ich will den Herren droben / hier preisen auf der Erd;
ich will Ihn herzlich loben, / solang ich leben werd.

Ein Gedanke zu „Du meine Seele singe

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