Karfreitag – der stille Feiertag.

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Verwaiste Straßen, keine Konzerte, keine Disco. So haben sich viele das immer zurückgewünscht. Ein Tag, der das gewohnte Leben unterbricht. Der dir gehört! Ohne Ablenkung! Wo du dir schmerzlich klarmachst, jedes Leben ist endlich. Was tust du also mit diesem kostbaren Geschenk? Lachst du genug, liebst du genug, bist du erfolgreich? Versäumst du wichtige Dinge? Riskiert du etwas, wenn es Dir wichtig erscheint?

Karfreitag zieht eine nüchterne Bilanz. Da war einer, der sich für die Menschen begeisterte, der sich einsetzte, heilte, stritt für ein lebenswertes Leben. Und der sich dann die Frage stellen musste, ist es das wert? Gut genug, dass ich damit meinen Tod herausfordere? An seine Entscheidung erinnert der Karfreitag. 

Ein weiterer Gedenktag für ihn und für die Menschen, die verschleppt, gefoltert und ermordet wurden. Die vielen großen Heldinnen und Helden, die unschuldigen Opfer, und die Massen, die längst vergessen sind. 

Auch wenn eine Entscheidung konsequent und tapfer ist, kostet sie dich dein Leben. Was nutzt dir dann das Gedenken? Und selbst wenn etwas bei den Nachgeborenen davon weiterlebt?

Nichts.

Dieser Tag und der morgige sind eine Zumutung. Selbst die Musik verstummt. Es gibt keine Lieder mehr zu singen. Du hast deine Zeit auf Erden und danach wartet nur noch das Grab. 

Die einen halten diese Erkenntnis ihr Leben lang aus. Für sie gibt es nichts zu hoffen und zu beten. Sie feiern ihr Leben, so gut sie können. Ich verstehe das. Ich halte das für konsequent. Dein Leben? Mach das Beste draus. 

Nur woher weiss ich eigentlich, was das Beste ist? Gibt es da noch eine Steigerung. Lebe ich vielleicht nur besser? Gar nur gut?

Karfreitag ist der „Ist-Zustand“ des Lebens. Der Tod aktualisiert sich überall auf der Welt jede Sekunde. Auf den Intensivstationen, in den Flüchtlingslagern, auf einer Parkbank. 

Und wenn ich nicht Ostern dazu denken kann, dann ist und bleibt das so. Ostern ist der „Best—Zustand! Der eine, der sich hinrichten ließ, richtete sich wieder auf. Rückte das Verhältnis von Tod und Leben zurecht. Ließ das Grab und den Gestank von Mord und Todschlag hinter sich. 

Nein, sie erkennen ihn nicht, die nur den Karfreitag als „Ist-Zustand“ kennen. Seine besten Freundinnen und Freunde hielten ihn für einen Fremden, den Gärtner, einen Geist. Denn er hat seine Individualität mit dem Leichentuch abgelegt. Daher muss er sich auf ihre Person einlassen. Mit ihrem Namen: Maria! Einem vertrauten Ritual: Brotbrechen. Mit dem Körper, der ihnen vertraut war: Der durch verschlossene Türen geht. 

Fremd und vertraut zugleich. Wie ein Babyfoto, in der man mit großer Mühe das Lächeln der 80-jährigen ausmachen kann. Und es gelingt. Seitdem hoffen Menschen trotzig gegen den Karfreitag an.

Weil wir in unserem Körper leben und in unserem Bewusstsein, spüren wir eine klare Begrenzung, die wir nur schwer überschreiten können. 

Ostern ist ein Trainingsprogramm über diese Grenzen zu blicken und etwas Größeres, Helles, Heiliges zu spüren: Den „Best-Zustand“. 

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